BERICHTE 

 
Der Berserker

 

Ich habe über Pfingsten, mit meinen beiden Söhnen ( 9 + 12 Jahre alt ) eine Familie auf Bornholm besucht, die ich seit langem kenne. Seit zwei Jahren nörgelten die Jungs schon rum, mal mit zum Lachsschleppen auf die Trollinginsel fahren zu dürfen ( Das Hosenangeln dort, darf aber auch nicht unerwähnt bleiben). Im Winter hätte ich nicht zugestimmt aber diesmal war alles perfekt. Vier Tage Insel, davon zwei halbe Fischtage und den Rest zum Inselerkunden. Gleich vorweg, beim Abschied lagen vier Fische auf frischem Eis in der Kühlbox (12.1kg, 10kg, 8kg und ein schöner 5er). Mir geht es in diesem Bericht aber hauptsächlich um einen, den Fisch von acht Kilo.

Am Vormittag der Ankunft, mit der Turbofähre über Ystad, haben wir, meine Söhne, Günter Klaus und ich um etwa 11.30h die Eisen ins Wasser gelassen. Der unterste Köder jeder Seite im Mittelwasser, die darüber 30 foot höher gestackered. Dann jede Seite einen mittleren Dipsy und eine „ lange Leine“ mit Heintz, 300foot gaanz hinten. Nicht nur, dass ich auf diese Rute nie verzichte, ich wusste auch, daß die Jungs Hornies drehen werden.
     

In dem Alter ist Geduld noch wie ein weißes Stück Papier. Etwa gegen 13.00h verloren wir einen Doppelbiss, einer davon, ein „Schwerer“  ging in einem langen Drill verloren. Um 14.00h lag der 10kg Fisch an Deck. Kurz vor Ladenschluß (16.00h w.g. der Jungs) kam noch den 5er. Auch ein gutes Dutzend „belone belone“ hatten sich zu weit aus dem Fenster gehängt. Das war nett. So hatte Günter und ich abends beim Pfälzer-Riesling- Kabinett noch etwas zu resümieren.

Am nächsten Morgen wollten und konnten die Jungens ausschlafen. Nach dem Frühstück hatten sie vor die Hammerhus Burgruine auf eigene Faust zu „erobern“.

 

Mit 2 x 140 PS ist man schnell draußen

Kaiserwetter. Die Eisen waren gegen 07.00h platziert. Bis 11.00h Ruhe, nur ein Klipp der unbeobachtet frei wurde??? und zum Glück, wenig Hornpieper. Dann der ersehnte Ruck der Rutenspitze nach unten, leichtes Anwippen und immer kräftigeres Durchbiegen der Downriggerrute. Bis das erlösende Schnarren der Multirolle anschwoll und eine kräftige, nervenkitzelnde Lautstärke beibehielt, ja, soll wollen es unsere Ohren haben! Günter zeigte auf mich, ich auf ihn, er wieder auf mich.- So viel vornehme Zurückhaltung habe ich dann doch nicht-, raus mit der Rute aus dem Halter und kräftig gegen gezogen um zu taxieren und nachzuhaken. Ohh, Jaa: Ammerländerklasse!

Bremse justieren, Rute zurück und Abräumen. Das läuft mit der Zeit wie das Essen mit Messer und Gabel. 10 Minuten später zappelte es im Kescher, 12kg feinstes baltisches Tafelsilber, das Beste was die Ostsee hergibt, herrlich…

Aber da war ja noch die Sache mit dem B..

Doch bis dahin hatten wir noch einige Schnabelschlangen zu erlösen. Ein Fehlbiss war auch noch zu verzeichnen.

Der Wind nahm langsam etwas zu und die ersten Wellen mahnten uns, den Bug Richtung Heimathafen zu lenken. Das Boot hatte erst kurze Zeit seine ideale Fahrt und Richtung aufgenommen, ich hatte gerade meinen Blick wieder auf die Rutenspitzen auf meiner Seite gerichtet, da gab es erneut diesen Augenblick, den thrill für den wir da Draußen sind.

10,5 Kg Ostseesilber und "stolze Jungs"

Aber diesmal sollte es noch etwas Besonderes geben.

Um Bornholm trolle ich seit  Sommer 1995, mindestens einmal pro Jahr. Mein erster Lachs hatte traumhafte 5kg, ich schwebte drei Tage auf „Wolke Sieben“, es gab für Rainer, der mit an Bord war sogar einen Schmatzer vor Freude. Einer aus unserem Klub kennt das. Zwei Fische weit über 20kg lagen bei mir auf den Planken ( zwei weitere wurden dieses Jahr vor Bornholm gekeschert,  einer davon lag eine Woche später bei Günter im Boot), Doppelbiss, Trippelbiss und andere angenehme Überraschungen, doch es gibt immer noch Momente wo der Puls noch höher schnellt.

Eigentlich bin ich auf die Idee gekommen diese Zeilen zu schreiben, weil ich nicht überzeugt war, daß ein Lachs in der Lage sein könnte mit rasender Geschwindigkeit 100m Schnur, in einem Zug von der Rolle zu nehmen, bei mittlerer Bremseinstellung. Was für ein Kharma.

   
Das Besondere war, kräftiger Ruck nach unten, die Rute schnellt hoch,… jetzt soll das verdammte Anwippen, das Durchbiegen der Rutenspitze folgen, nichts.....aber bevor ich Schade sagen kann, kommt direkt neben mir, fast parallel zur Wasseroberfläche der Fisch rausgeschossen, in unserer Fahrtrichtung, und taucht weg!

Der muss weg sein, ausgeschlitzt …die Rute steht kerzengerade im Halter…aber die Enttäuschung hat keine Zeit aufzukommen., mit einem gewaltigen Ruck zeigt die Rutenspitze plötzlich um 180 Grad gedreht in die entgegengesetzte Richtung in die der Fisch vermeidlich flüchten wollte, sauber nach hinten. Der Fisch kam erst nach mehr als 100m zum Stoppen als er dort zwei weitere, saubere Sprünge vollführt hatte, fast unwirklich.

 

12,1 Kg.... feinstes "Tafelsilber"

 

Das hatte ich bis dahin nicht für möglich, oder für Anglerlatein, gehalten.

Denn einige Fische die ich drillen durfte, haben sogar mehr Schnur von der Rolle gezogen. Meiner Ansicht jedoch weil die Bremsen zu weich eingestellt waren oder es zu lange dauerte mit dem Abräumen. Denn der Fisch hat Eigengewicht, es gibt die Strömung, den Wind und Leute die von vornherein schon 30m rauslassen bevor die Schnur in den Klipp kommt. Bei mir kommt der untere Köder drei, vier Meter raus, jeden weiteren stelle ich fünf Meter weiter nach hinten weg.

 

Bis bald auf der Ostsee, 

Reiner

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