AUS DER PRAXIS

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 Naturköder

Zielfisch Meerforelle (Salmo trutta trutta)  und Lachs (salmo salar)

Die Nahrung der Meerforelle ist bekannt.

Im Küstenbereich verhält sich die Meerforelle weitestgehend räuberisch und ernährt sich überwiegend von anderen Fischen wie Tobiasfisch, Hering und Sprotte.

von Michael Kampmann

Tobiasfisch
Hering
Sprotte

Der Bereich des Naturköderfischens bildet neben der Variante mit Kunstködern eine weitere Möglichkeit der Meerforelle oder dem Lachs beim Trollingfischen nachzustellen.

Die Frage welcher der beiden Varianten der Vorzug zu gewähren ist, lässt sich nicht klar beantworten und ein Erfordernis dies zu tun besteht indes ebenfalls nicht. 

Beide Varianten haben ihre Berechtigung und können unglaublich erfolgreich sein.

Sicherlich ist die Form des Naturköderangelns mit einem größeren Aufwand verbunden, da die Köder nicht unendlich aufbewahrt werden können und die Bestückung am System einen gewissen Zeitaufwand erfordert.

Dennoch sollte jeder Angler seine eigenen Erfahrungen mit dieser Art des Fischens machen um für sich selbst die beste Möglichkeit zu finden.

Die oft gelesenen und nicht ganz ernst zu nehmenden Einteilungen in „Naturköderfraktionen“ und „Kunstköderfraktionen“ bedarf es nicht.

Hierbei handelt es sich wohl ebenso wie bei der Bestückung bestimmter Köder mit Drillingen  oder Einzelhaken um eine spaßige „Glaubensfrage“.

Zunehmend hat sich wohl bei erfolgreichen Trollingteams eine Kombination aus beiden Varianten etabliert.

Für den Bereich des Trollingfischens im Bereich des Naturköderangelns bilden überwiegend Köderfische die Basis für das Naturköderangeln, wenngleich der Bereich des Naturköderangelns auf den Zielfisch Meerforelle und Lachs durchaus in anderen Bereichen, mit anderen Ködern wie etwa Wurm oder Shrimps erfolgreich praktiziert werden kann.

Die besondere Kunst des Naturköderangelns liegt in der Präsentation des toten Köderfisches.

Es gilt also durch besondere Techniken den toten Köderfisch so zu präsentieren, dass die Forelle dem Irrtum unterliegt, es handele sich um einen lebenden, vorzugsweise kranken oder geschwächten Fisch.

Die Meerforelle bedient sich bei der Nahrungssuche im Wesentlichen zweier Sinnensorgane, der Seitenlinie und der Augen.

Mit der Seitenlinie werden Schwingungen aufgenommen, wie Sie etwas durch einen taumelnden Fisch produziert werden ; mit den Augen werden optische Signale wahrgenommen. Es gilt daher bei der Köderpräsentation diese Reize besonders anzusprechen.

Hierbei ist zu beachten, dass die verschiedenen Reize den äußeren Bedingungen angepasst werden müssen und das der Mensch bei der Beurteilung dieser Reize auch eine unterschiedliche Wahrnehmung im Vergleich zur Meerforelle berücksichtigen muss. (zu diesem Thema unter BAC Kunstköder „Magie der Farben“)

So kommt es durchaus vor, dass bei bestimmten Wetterbedingungen ein besonderer Reiz in den Hintergrund gerät und es auch zu einer „Reizüberflutung“ kommen kann, die wiederum einen Köder unattraktiv macht. Den richtigen Spürsinn für den richtigen Reiz am richtigen Tag auszumachen, macht einen wesentlichen „Reiz“ der Fischerei aus und ist schließlich wesentlicher Schlüssel zum Erfolg.

Grundsätzlich könnte angenommen werden, dass der nur an einem Haken befestigte Köderfisch, welcher an der Angelschnur durchs Wasser gezogen wird,  der optimale Köder sei.

Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass zum einen der Köder damit in direkten Vergleich zu einem agilen lebendigen Köderfisch einen ungleichen Wettbewerb führt. 

Wer ein Restaurant besucht, der wird dort vermutlich kein mit Käse belegtes Brötchen essen, da er dies auch Zuhause für einen vergleichsweise geringeren Aufwand zu sich nehmen kann.

Damit ist nicht gesagt, dass nicht auch der ohne weitere Zusätze gezogene Köderfisch keinen Erfolg  bringen  kann.

Zum anderen gilt es in anbetracht des großen Lebensraumes und des natürlichen Angebots an Nahrung, dem Köder eine besondere Attraktivität einzuhauchen, die es der Meerforelle ermöglicht, den Köder ohne großen Aufwand auch aus größeren Entfernungen wahrzunehmen und zusätzlich den Reiz einer einfachen Beute vermittelt.

Ein weiterer Punkt ist die Haltbarkeit des Köders, der durch den Zug durchs Wasser auch Belastungen ausgesetzt ist, denen er zumindest für eine gewisse Zeit standzuhalten vermag.

Hierzu werden zahlreiche Varianten angeboten:

Vuoksi Raksi

Rhys Davis

Callenger Big Eye

Rotary System

Magic Anchovy

Bechhold Rotary

*alle Namen sind eingetragene Warenzeichen der jeweiligen Hersteller

Allen Varianten ist gemeinsam, dass sie auf besondere Weise dem leblosen Köderfisch Bewegung einhauchen. Die überwiegende Zahl der Systeme bringt den Köderfisch in eine Drehbewegung, weshalb die Vielzahl dieser Systeme mit „Rotary“ bezeichnet wird. Geläufig und für gut empfunden wird allgemein eine Drehzahl des Fisches von etwa 50- 60 U/min. Zudem wird der Kopf der Köderfische in die Systeme gesteckt und fixiert, wodurch eine längere Standzeit des Köderfisches erreicht wird, als wenn dieser am Kopf unvermittelt dem Strömungsdruck des Wassers ausgesetzt wäre. Ein agiler Lauf kann zusätzlich noch durch vorgeschaltete Dodger, Flasher oder ActionDiscs erreicht werden. Dabei handelt es sich  um zum Teil skurril geformte Plastik- oder Metallplatten, die neben dem Futterneid des Fisches auch die flackernden Bewegungen auf den dahinter hängenden Köder übertragen.

Insgesamt erfordert das Fischen mit Köderfischsystemen gegenüber dem Kunstköderfischen eine etwas größere Aufmerksamkeit hinsichtlich Geschwindigkeit des Bootes sowie Laufverhalten. Generell ist gegenüber der Kunstködermethode die Geschwindigkeit mit etwa 1-1,5kn auch etwas langsamer.

Die genauen Parameter der einzelnen Systeme werden von den Herstellern aber beim Kauf mitgeteilt. Es empfiehlt  sich ohnehin jeden Köder individuell hinsichtlich seines Laufverhaltens vor dem endgültigen Rauslassen von Schnur zunächst durch Sichtkontrolle dicht am Boot zu kontrollieren.

Wen jetzt der Ehrgeiz gepackt hat, einen besonderen Vorteil hat diese Methode auf jeden Fall !

Wenn im Sommer keine Meerforelle beißt, dann ist die Zeit zum Köderfischfang. Anglerische Langeweile gibt es somit das ganze Jahr nicht.

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